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Hinnerk
MitgliedLiebe Kollegen,
es gibt da scheinbar ein paar Unklarheiten über das Verfahren einer Stammzelltransplantation. Die Blutgruppe ist für die Auswahl des Spenders nicht wichtig: es kommt auf die Übereinstimmung der Gewebemerkmale von Spender und Empfänger an. Häufig übernimmt der Empfänger sogar nach einer Stammzelltransplantation die Blutgruppe des Spenders.
Zum Verfahren selbst: nach eingehender Untersuchung des Spenders (Übereinstimmung der Gewebemerkmale, Vorerkrankungen, körperliche Konstitution, etc.) werden ihm Stammzellen entnommen und dem Empfänger durch eine simple Infusion zugeführt.
Und außerdem würde ich jedem raten, bevor man sich irgendwo zum Knochenmarkspenden einschreibt, sich erst einmal zu informieren, wa das heißt und mal mit einem Arzt zu sprechen. (…) Die Prozedur der Spende ist höllisch schmerzhaft und kann, wenn sie schief geht und bleibende Schäden hervorrufen.
Ich meine, für den Spender ist es ein kleiner Eingriff? Sie stechen eine Nadel in dein Rückenmark, wo ist das denn ein kleiner Eingriff?
Diese weitläufigen Annahme sind falsch.
In etwa 80 % der Fälle werden heute Stammzellen aus dem Blut übertragen. Diese Stammzellen werden dem Spender ähnlich wie bei der Dialyse bei Nierenkranken aus dem Blutkreislauf rausgewaschen. Zur Entnahme wird der Spender etwa vier Stunden an eine Maschine angeschlossen. Nach der Spende kann der Spender einfach nach Hause gehen. Unangenehm sind da eigentlich nur Hormonspritzen, die sich der Spender an fünf Tagen vor der Spende geben muss, um die Produktion der Blutstammzellen zu vermehren.
In den übrigen 20 % der Transplantationen werden Stammzelle aus dem Knochenmark verwendet. Hierzu wird der Spender in einer kleinen OP Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen. Durch die Narkose ist dies nicht sonderlich unangenehm; danach kann man das Krankenhaus am nächsten Tag verlassen. Der Spender hat das Gefühl eines kleinen Muskelkaters, aber die Wunden verheilen in wenigen Tagen. Bei beiden Eingriffen besteht ein kleines Risiko (Narkose, Infektionen) – aber das ist wirklich üebrschaubar und fällt nicht stark ins Gewicht. Und was ist das alles gegen die Gewissheit, einem anderen Menschen das Leben gerettet zu haben?Falls jemand spenden will: die DKMS hält Informationen bereit, wo man sich kostenlos typisieren lassen kann bzw. verschickt auch ein Test-Set, das man nach einem Wangenabstrich (Mundschleimhaut) an sie zurückschickt.
Mit kollegialen Grüßen,
Dr. Hinnerk
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